Unsere Galerie hält Events, Erfolge, Eindrücke und Gefühle fest. Stöbere und lass dich inspirieren von der Freude am Laufen.

 

Bildgalerie: Rennsteigstaffellauf

Video: Rennsteig-Staffellauf 2017 – Teaser

Hier kannst du das Teaser Video von unserem Rennsteig-Staffellauf 2017 – Mit der 1. Blindenstaffel 170k über den Rennsteig – ansehen. Viel Spaß beim ansehen.

Bildgalerie: Die Blindschleichen

Bildgalerie: Thüringer Hallen-Landesmeisterschaften

Am gestrigen Samstag fanden die Thüringer Hallen- Landesmeisterschaften in Erfurt statt.
Für uns stellte der Start unserer LAC- Mitglieder Matthias Hupe und Helmut Weise ein Höhepunkt der Veranstaltung dar. Helmut erlief sich eine Silbermedaille sowohl beim 400 m Lauf als auch beim 800 m Lauf (2:40,24) in der AK 60. Mit der Zeit über 800 m konnte sich Helmut für die Deutschen Meisterschaften qualifizieren. Matthias, unser Vereinsvorsitzender erlief sich den Landesmeistertitel in 3000 m (10:34, 63) in der AK 50. Beiden Vereinskameraden gratulieren wird auf`s herzlichste und wünschen für die weitere Laufsaison weitere sportliche Erfolge.

Auch Martin Sander vom Team Eichsfeld, welcher Landesmeister in der AK 40 über 400 m wurde und Hartmut Erdmann, welcher sich in der AK 70 den Landesmeistertitel über 400 m erlief, gelten unsere Glückwünsche.

Vielleicht ist demnächst auch einer unserer BlindSchleichen am Start?

 

Bildgalerie: Laufend das Jahr beenden

Fotos vom sportlichen Jahresausklang 2015 in Kefferhausen

Bildgalerie: Wettkampf in Duderstadt

Am11.09.2015 war es endlich soweit. Nach wochenlangem Training konnten wir unsere gute Form beim Sparkassenlauf in Duderstadt unter Beweis stellen. Unser Guide Karsten ist in Duderstadt beheimatet, und so trafen wir uns alle bei ihm. Nach den obligatorischen Vorbereitungen führte er uns ortskundig zum Start.  Der Lauf gestaltete sich höchst emotional. Die Zuschauer in der Stadt, der Moderator und die Blaskapelle heizten die Stimmung und damit die Lauffreunde ordentlich an, sodass alle unsere Läufer in guter Zeit die 5km absolvierten. Schön wars auch nach dem Wettkampf. Gemeinsam kehrten wir in ein Restaurant ein und ließen den Abend gemütlich ausklingen.

Bildgalerie: Wandertag 2015

Hier sind einige Impressionen von unserem Wandertag 2015. Die Bildbeschreibungen, werden wir zeitnah hinzufügen.

Bildgalerie: Trainingslauf

Hier sind einige Impressionen von Trainingsläufen der Blindschleichen.

Bildgalerie: Wettkampf der Blindschleichen in Heiligenstadt

Hier sind einige Impressionen vom Wettkampf der Blindschleichen in Heiligenstadt.

Bildgalerie: Auszeichnungen und Glückwünsche

Beim MDR Thüringen zur Premiere des Filens: Du kannst mehr als du denkst“ Kein Geringerer als die Boxlegende Henry Maske überreicht die Auszeichnungen und Glückwünsche, die Juliana Löffler im NAmen der BlindSchleichen in Empfang nimmt.

 

Bildgalerie: Begegnung mit Wildschweinen

Es war 04:30 Uhr. Da der Beruf und die Familie die meiste Zeit des Tages beanspruchten, blieben nur die Stunden vor dem „Aufstehen“ zum Laufen. Unsere Trainingsstrecke war die 10 km entfernte Burg Gleichenstein. Wir liefen an diesem Morgen gemütlich, wir mussten erst in Gang kommen, es war noch dämmrig. Plötzlich wie aus dem Nichts, hörten wir ein lautes Knacken, Grunzen, Schnaufen und Quicken. Direkt neben uns, keinen Meter entfernt, erhoben sich 9 voluminöse Bachen mit ihren insgesamt 19 Frischlingen.

Vor Schreck konnte ich gar nicht schreien, krallte mich nur an meinen blinden Laufpartner. Dieser hatte die Wildschweine schon im Vorfeld gerochen und konnte somit die Situation ohne Worte einordnen. Ich bin den Wildschweinen noch heute dankbar, dass sie vor uns Reißaus genommen haben und nicht auf uns zurasten.  Aber drollig war es auch- 19 kleine Frischlinge. Wie die Kleinen so vor uns wegliefen, überkam mich schon das Verlangen mal eines zu schnappen und zu knuddeln. Doch diesen Gedanken musste ich sofort verwerfen, als mich der Blick einer treusorgenden Wildschweinmutter traf.

 

Ein Textbeitrag: Der Förster

Es stand ein Bergtraining für diesen Tag auf dem Trainingsprogramm. Aber mal ehrlich, eigentlich verfolgte uns das Bergtraining nun schon einige Wochen. Ob Berg hoch und runter im Tempo oder Berg langsam hoch und schnell runter oder umgekehrt, Berg, Berg, Berg… allein der Gedanke löste schon eine gewisse Atemnot bei mir aus.  Doch an jenem Tag war unsere Trainingsstrecke, der Eselsweg, durch zahlreiche gefällte Bäume blockiert. Ausfall! Ich war erleichtert , ich freute mich wie ein Schüler dessen Lehrer plötzlich erkrankt ist. Doch ich hatte nicht mit dem Eifer und der Disziplin meines blinden Laufpartners gerechnet.

„Ab nach Hause“ sagte er, „ wir holen einen Harken und einen Besen.“

Das war doch wohl nicht sein Ernst! Mit den Gartengerätschaften wollte er einen Pfad mitten im Wald so präparieren, dass wir ihn als Trainingsstrecke nutzen konnten?  Was blieb mir übrig, ich fügte mich. Schließlich wartete der Wettkampf am Brocken auf uns und wie heißt es so schön: ohne Fleiß keinen Preis. 800 Meter Waldweg mit einem ordentlichen Höhenprofil von 100 Metern galt es so zu säubern, dass ein Blinder mit seinem Guide gefahrlos laufen kann. Wir arbeiteten im Akkord. Ich hatte ihn darum auch nicht bemerkt. Wie aus einem Hinterhalt auftauchend, stand er auf einmal neben mir –der hiesige Förster. Anklagende Blicke trafen mich und meinen Laufpartner und als ob dies nicht schon schreckhaft genug war, stemmte er seine Hände in die Hüften, straffte seinen Körper und reckte den Kopf nach vorn. „Was tun Sie hier?“, dröhnte seine Stimme. Er glaubte potentielle Holzdiebe vor sich zu haben, die gerade dabei waren, Spuren ihres Diebesgutes  zu verwischen. Doch nach einigen Worten stammelnder Erklärung für unser Tun, erkannte uns der Förster als die harmlosen Jogger, die er schon öfters beim Training gesehen hatte. Nun entschuldigte er sich sogar bei uns für den unpassierbaren Eselsweg  und versprach uns diesen zeitnah zu räumen.

Unsere neue Trainingsstrecke stand der Alten in nichts nach. Unser Trainingsfleiß wurde sogar mit einem 3. Platz in der AK 45 beim Brockenlauf belohnt.

 

Ein Textbeitrag: Ein willenloses Schaf

Es war die 40. Geburtstagsparty unseres Lauffreundes Matthias. Die tolle Partystimmung hielt bis in die frühen Morgenstunden an. Frohgelaunt verließen wir am Morgen die Feier, um unseren langen Trainingslauf über 35 km zu starten. Wir schrieben den 5. März, eigentlich sollten schon Schneeglöckchen den Tag einläuten, doch davon war keine Spur. Es lag hoher Schnee, hoher Pappschnee und es war nass- kalt, ganz ungemütlich. Dennoch liefen sich die ersten Kilometer recht gut. Dann aber wurde es wegen zunehmend höher werdenden Schneewehen, einsetzendem Schneetreiben und peitschendem Wind immer beschwerlicher zu laufen.

Der fehlende Schlaf setzte mir auch zu und so kam ich immer schleppender vorwärts. Inzwischen lief mein Laufpartner schon so, dass ich meine Füße in seine Fußstapfen setzen konnte, um Kraft zu sparen. So  trottete ich Kilometer um Kilometer bis mir nur noch zum Weinen zumute war. Es war an der Zeit das Laufen aufzugeben und nur noch zu gehen. Der Weg zog sich in die Länge, der Wind raubte mit die Wärme aus den Händen und den Füßen und der Hunger nagte unbarmherzig. Ich war der völligen Erschöpfung nahe. Mein blinder Laufpartner zog mich an unserem Führungsseil hinter sich her wie ein willenloses Schaf. Irgendwann ging nichts mehr, ich ließ mich fallen-fertig! Und kein Mensch weit und breit war ihr im Luttergrund zu sehen! So wuchtete mich mein Laufpartner auf seinen Rücken. Ich übernahm die visuelle Führung und er die Physische.  Noch 4 km lief er so mit einem zusätzlichem Gewicht von einem Zentner durch die unwirtliche Natur bis nach Hause–eine Meisterleistung.

Seither gehört zu jedem Lauf ein Beutelchen Rosinen gegen den Hungerast und ein Handy um in Notfällen regieren zu können, zur Laufausrüstung dazu.

 

Gedanken eines Guides: Was weiß ich schon von Dir?

Was weiß ich schon von Dir?

Ich steh vor Dir und schaue Dich an –Du erwiderst es nicht.

Ich trete auf Dich zu – Du bleibst ungerührt stehen.

Ich lächle Dich an – Du schaust nicht zu mir.

Ich strecke Dir die Hand entgegen – Du lässt sie unberührt.

Ich spreche Dich an-

                             -da wendest Du Deinen Kopf zu mir, trittst auf mich zu, lächelst mich an

                                      und berührst meinen Arm mit Deiner Hand.

Und plötzlich sehe ich die Leere in Deinen Augen und verstehe, Du bist blind.

Und mir Dir soll ich laufen?

Ich habe das Gefühl lieber weglaufen zu wollen. Ich fühle mich klein und unsicher .

„Lauf“ sagst Du, fasst meine Schulter und schiebst mich vorwärts. „Sag an, was Du siehst“  – und Tatsache, es klappt, wir laufen gemeinsam. Und so wurde aus einem vorübergehend angesetzten Training, ein Laufen als Tandem von inzwischen 12 Jahren mit einem reichen Schatz an Erfahrungen und gegenseitigem Vertrauen.

Auf die Frage , Was weißt ich schon von Dir?, antworte ich heute:  Du bist ein Held!

 

Ein Textbeitrag: Olaf

Es war früh am Morgen und noch ganz dunkel. Mein blinder Laufpartner war mir beim Joggen nun klar im Vorteil, denn für ihn gab es keinen Unterschied zwischen hell und dunkel. Ich behalf mich mit einer Taschenlampe und leuchtete die Mehlbeerbaumallee aus. Die Laufstrecke durch diese Allee, die so weit ab vom Dorf ehemals mehrere Dörfer verband, nahmen wir schon seit einigen Jahren unter die Füße. Aufregendes gab es hier nicht, ab und an kreuzen ein paar Hasen, Rehe oder Wildschweine diesen Hoppelweg , im Weiteren säumten links und rechts nur die über 100 Jahre alten Mehlbeerbäume den Weg, damit erschöpfte sich jede Begegnung. Doch nicht an jenem Tag „Christi Himmelfahrt“ im Jahr 2004. Ringsum uns raschelten nur leis die Blätter im Wind, nichts was an eine hektische Zivilisation erinnert, nur Einsamkeit und Natur pur. Doch plötzlich, mitten in der Allee stand da vor uns ein alter Jeep, auf der Motorhaube ein alter Aluminiumbecher. Ein Relikt aus DDR- Zeiten? Aber keine Menschenseele war  zu sehen und zu hören. Ganz unheimlich war mir.

Nach 2 Stunden Lauftraining kamen wir wieder durch die Allee. Und wieder mussten wir an diesem mysteriösen Auto vorbei. Doch diesmal öffnet sich die Tür vom Jeep und ein Mann hüpfte heraus. Er  verstellte uns den Weg und zwang uns so zum Anhalten. „ Olaf Schulz, Fotograf und Buchautor“ stellte er sich uns vor. Er war gerade dabei ein Buch über die Alleen Deutschlands zu schreiben und war dabei auf unsere Mehlbeerbaumallee gestoßen. Ganz fasziniert von ihrer Schönheit hatte er sich in sie verliebt und die Nacht, umgeben von ihrem Liebreiz, verbracht. Nun hätte er sie gern für sein Buch in voller Blütenpracht fotografiert. Da er im Spreewald beheimatet war, bat er uns, ihn zu benachrichtigen sobald sich die ersten Blüten zeigten. Das versprachen wir ihm. Das Buch von Olaf Schulz wurde ein wunderschöner Bildband über die schönsten Alleen Deutschlands. Auf dem Einband des Buches ist keine geringere Allee als unsere Kefferhäuser Mehlbeerbaumallee, die als die Schönste der Schönen gekürt wurde.  Seither laufen wir nicht mehr gelangweilt durch diese Allee, würdevoll und mit Respekt nehmen wir nun den Weg durch dieses zauberhafte Kleinod. Zu Olaf, diesem interessanten Menschen,  verbindet uns inzwischen ein freundschaftliches Verhältnis.

 

Ein Textbeitrag: Ein Laufbericht

Konzentriert verstaue ich die Reise- und Wanderutensilien: Schlafsack, Isomatte, Ausweis, Geld, Wechselwäsche, Handtuch, Zahnbürste, Essen und Trinken. Zuletzt gleiten meine Hände über die Wanderschuhe. Nein, die Wanderschuhe brauche ich jetzt nicht einzupacken, sie kommen dahin, wo sie hingehören: an die Füße. Ich schlüpfe hinein und binde sie zu. Reflexartig ziehe ich die Schnürbänder kräftig an und mache einen Doppelknoten. Warum einen Doppelknoten? Ich merke, dass ich abschweife und löse den Doppelknoten wieder. „Es sind doch nicht meine Joggingschuhe“, sage ich zu mir selbst. Ich lasse mich neben meinem Rucksack auf den Boden sinken und überlasse mich meinen Gedanken. Im Nebenzimmer höre ich meine Partnerin mit dem Enkelsohn spielen, fröhliches Kinderlachen erklingt. Der Kleine… ein Jahr ist er jetzt alt. Ein Jahr ist es her, da verstaute ich wie heute meine Reiseutensilien im Rucksack. Mit einem Unterschied: Nicht die Wanderschuhe schnürte ich mir an die Füße, sondern die Joggingschuhe – mit Doppelknoten.

Ein Lächeln huscht mir über das Gesicht. Ja, meine Joggingschuhe, sie sind ein kleiner Mosaikstein in meinem Leben. Die Joggingschuhe begleiten mich seit meiner Jugend, sie haben mich Selbstdisziplin und Willensstärke gelehrt und mir die Freude an der Bewegung erhalten. Meine Joggingschuhe haben mich getragen, wohin ich wollte. Ich konnte laufen, laufen, laufen. Ich habe mich gefreut an der Natur, bin Menschen und Tieren auf meinen Läufen begegnet und konnte an Wettkämpfen teilnehmen, die nicht selten mit einer guten Platzierung odereinem Pokal belohnt wurden.
Ich wusste, dass die Freiheit begrenzt war. Eine Freiheit, die ich genoss, solange es mir das Augenlicht ermöglichte. Schleichend, jedoch unaufhaltsam trübten sich die Augen, bis es mir selbst mit Hilfsmittel nicht mehr möglich war, auf unwegsamem Gelände allein zu laufen. Doch meine Joggingschuhe blieben mir treu. Oder sollte ich besser sagen: Ich blieb ihnen treu. Egal. Mein Bruder, selbst ein begeisterter Läufer, nahm ein Seil, drückte es mir und sich in die Hand und wir begannen, gemeinsame Trainings- und Wettkampfläufe zu bestreiten. Es war eine sehr fruchtbare Zeit. Wenn wir bei regionalen Wettkämpfen antraten, brachten wir die Laufkonkurrenz zum Schwitzen.
Alles hat seine Zeit. Mein Bruder verlor seine Arbeit und ging in die Schweiz, um sein Geld zu verdienen. Schwierig für mich, jedoch nicht ausweglos. So wurde meine Partnerin meine treue Laufbegleiterin. Klar, es war ein gewaltiger Einschnitt. Ich musste vom fünften in den zweiten Gang herunterschalten. Aber es hatte auch Vorteile. Zeitlich war das Training besser abzustimmen, wir konnten die Strecke flexibler wählen und bei Wettkämpfen musste ich mich nicht bis aufs Letzte auspowern. Pokale gewann jetzt nicht mehr ich, dafür aber meine Partnerin.
Im vergangenen Jahr wurde ich nun 50 Jahre alt. Ein ganz besonderer Geburtstag – mit einem ganz besonderen Wunsch. Viele Läufer träumen davon, einmal die Königsstrecke des Rennsteiglaufes unter die Füße zu nehmen. Sie träumen den Traum genau wie ich auch. Wie viele schaffen es, aus dem Traum Wirklichkeit werden zu lassen? Ich wusste nur eines, ich möchte kein Träumer bleiben, ich möchte zu meinem 50. Geburtstag den Supermarathon laufen. Wie aber kann man sich auf einen solchen Lauf vorbereiten? 72,7 Kilometer – schwer vorstellbar! Meine Partnerin war sofort bereit, mir bei der Erfüllung des Wunsches zu helfen. Ein Jahr dauerte die Vorbereitung. Wir studierten Trainingspläne, fuhren zu Vorträgen über die richtige Ernährung beim Ausdauersport und holten uns bei Dieter Baumann während seines Kabaretts wertvolle Tipps für das Laufen. Virtuell nahmen wir jeden Kilometer des Rennsteiglaufes unter die Lupe, prägten uns die Höhenmeter, Verpflegungsstellen und Hilfsstützpunkte anhand der Ausschreibung ein und suchten in den heimischen Wäldern nach einer passenden Trainingsstrecke. Wir fanden einen idealen 8,1 Kilometer langen Rundkurs mit 170 Höhenkilometern. Jetzt hieß es noch , einen auf Familie und Beruf angepassten Trainingsplan zu erstellen, ein Trainingsbuch anzulegen und natürlich die Trainingsbekleidung aufzustocken, würde das Training doch bei Wind und Wetter über mehrere Stunden stattfinden müssen, um das große Ziel zu erreichen – den Supermarathon!
Wir waren voller Euphorie. Einmal in der Woche war der lange Trainingslauf an der Reihe. Pulsuhr, Pulsgurt, die richtigen Nahrungsmittel und das Trinken, an alles musste vor Trainingsbeginn gedacht werden. Doch unsere Euphorie wurde auf eine harte Probe gestellt. Glaubten wir anfänglich noch, dass wir Woche für Woche die Laufumfänge und das Tempo kontinuierlich steigern könnten, so stellte sich bald Ernüchterung ein. Manchmal schmerzten die Knie, mal war der Körper zu schlapp, mal stach es in der Brust, mal zwickte es in der Leiste. Dann kam der Winter mit Temperaturen bis zu minus 16 Grad Celsius. Der Atem gefror an Kinn und Nase, Füße und Hände schmerzten vor Kälte. Schnee, rauer Wind, vereiste Wege machten das Laufen zur Tortur. Doch wir hatten Glück. Der Winter währte in diesem Jahr nicht lange. Mit den ersten Sonnenstrahlen wurde das Laufen angenehmer, aber auch anspruchsvoller und länger. Mein 50. Geburtstag kam näher, der 16. April 2012 und der entscheidendste Tag unseres Trainings. Neunmal wollten wir die 8,1 Kilometer Runde bezwingen. Neunmal bergauf und bergab. Da wir abends die Geburtstagsgäste erwarteten, starteten wir am Morgen pünktlich um sechs Uhr. Fünf Runden liefen sich recht locker, Runde sechs und sieben waren anstrengend, unsere körperlichen Schwachstellen machten sich zunehmend bemerkbar. Der Gedanke an noch zwei verbleibende Runden ließ uns fast verzweifeln. Doch wir hatten ein Ziel, wir durften es nicht aus den Augen verlieren, wir mussten durchhalten. Für die achte Runde wäre wohl der Ausdruck „Schleichen“ zutreffender. Einzig der leckere Imbiss nach jeder gelaufenen Runde machte die Quälerei noch erträglich. Wir schlichen uns also durch bis zu Runde neun. Meine Partnerin jammerte: „Bitte zum 100. Geburtstag nicht noch so einen verrückten Wunsch.“ Schmerzen in den Knien, Müdigkeit und Schlappheit waren die Begleiter der letzten Runde, aber mit jedem Meter den wir zurücklegten, stieg die Wahrscheinlichkeit, den Trainingslauf erfolgreich zu absolvieren – ein Garant für unsere Teilnahme am Rennsteiglauf. Vergessen waren alle Trainingsstrapazen, als wir am 12. Mai 2012 in Eisenach topfit an den Start gingen. Wir waren schon einen Tag vorher angereist, hatten mit mehreren Läufern gefachsimpelt und bei der abendlichen Kloßparty zwei Eichsfelder Läufer kennengelernt. Regen und Gewitter konnten unsere gute Laune nicht verderben. Obwohl die Temperaturen im Laufe des Tages von subtropisch auf kalt gesunken waren, hatten wir gemeinsam mit vielen Laufenthusiasten eine geruhsame Nacht im Eisenacher GymnaStart war um sechs Uhr. 2.600 Läufer setzten sich in Bewegung. Ich wusste, meine Partnerin würde mich durch die 2.600 Fußpaare sicher hindurchführen, Bürgersteige ansagen, Hindernisse umlaufen und mich vor Unwegsamkeiten warnen. Wir hatten Erfahrung beim Laufen von Waldwegen. Ich war zufrieden und entspannt. Der Lauf begann so, wie ich es mir vorgestellt hatte – gut gelaunte Mitläufer, eine tolle Atmosphäre. Nur meine Partnerin lief für ihr Leistungsvermögen zu schnell. Ich versuchte sie zu zügeln, aber nichts brachte sie dazu, das Tempo zu drosseln. Dazu kamen nach einen Kilometern noch ausgewaschene Wege, die nicht ganz einfach zu laufen waren. Doch egal, wo wir liefen, die Jogger neben uns zollten uns Respekt und boten Hilfe an. Am ersten Verpflegungspunkt kam der Extremsportler Guido Kunze auf uns zu und empfahl uns, die nächsten drei Kilometer wegen des zunehmend schlechteren Waldweges die parallel zum Waldweg laufende Straße zu nutzen. Das war eine gute Idee, liefen wir so nicht Gefahr uns zu verletzen. Dann ging es hinauf zum Inselsberg. OHO! Hatten wir im Vorfeld geglaubt, unsere Trainingsstrecke hätte alle erdenklichen unwegsamen Geländeprofile enthalten, mussten wir jetzt feststellen, dass wir uns getäuscht hatten. Tiefe Wasserrinnsale, gespickt mit mächtigem Steingeröll, herausragenden Wurzeln und felsartigen Steinbrocken mit einer gehörigen Portion zu überwindenden Höhenmetern sollten für mehrere Kilometer unsere Laufstrecke bilden. Ich vertraute mich meiner Partnerin an und achtete genau auf ihre Ansagen. Teilweise mussten wir uns von unserem Führungsseil trennen, ich legte die Hand auf die Schulter, um besser die Unebenheiten zu spüren. Fabelhaft reagierten die Mitläufer. Sie liefen direkt vor, neben oder hinter uns, um sofort eingreifen zu können, wenn ich stolpern sollte. Doch es ging alles gut. Bei Kilometer 35 kam, was kommen musste. Trotz guter Versorgung mit Haferschleim und diverser anderer Verpflegung bekam meine Partnerin den sogenannten Hungerast. Ein Tribut, den sie zollen musste für ihr zu hohes Tempo. Was tun? Wir fielen in einen langsamen Dauerlauf zurück. Die Zeit rann dahin. Wir gingen an unsere Reserven. Schoko- Riegel und Power- Gels, alles Essbare stopfte sich meine Partnerin in den Mund. Nach zehn Minuten erging es ihr wie Popeye: Sie hatte ihre Kraft wiedergefunden und wollte losstürmen. Jetzt aber behielt ich einen kühlen Kopf und übernahm die mentale Führung des Laufes. Ich hielt unser Tempo weiterhin gedrosselt und ließ mir ständig ihren Puls ansagen. Unser konstantes Lauftempo zahlte sich aus und brachte uns einen Kilometer nach dem anderen voran. Wurden wir zwischenzeitlich von vielen Joggern überholt, liefen wir nun über mehrere Stunden in einem festzusammengeschmiedetem Läuferfeld. Nach der letzten Verpflegungsstelle, acht Kilometer vor dem Ziel, überließ ich es wieder meiner Partnerin, das Lauftempo zu bestimmen. Sie stürmte auch gleich los, als wäre ein Rudel toll gewordener Hunde hinter ihr her. Wir holten Zeit auf. Die Beine trugen uns jetzt wie von selbst. Zwei Kilometer vor dem Ziel wurden wir von einer überwältigenden Stimmung erfasst. Menschenmengen säumten den Zieleinlauf, Musik spielte zur Begrüßung, Fotografen hielten das Ereignis bildlich fest und Sprecher begrüßten namentlich die Finisher. So schmetterten wir mit 15 Stundenkilometern über die Ziellinie, für uns blieb die Uhr bei 8:24:44 Stunden stehen.
Wir waren glücklich- geschafft. Ja, wir hatten es geschafft. Ich hatte mir meinen Wunsch erfüllt. 72,7 Kilometer – gemeinsam mit meiner Partnerin! Mit einer Menge Endorphin im Blut ging es abends ins Festzelt. Eine Kirmesfeier kann es mit der Stimmung die dort herrschte nicht aufnahmen. Wir saßen zusammen und konnten das Erlebte kaum verarbeiten. Wir waren uns alle fremd und doch vereinte uns eine tolle Sache – der Sport.
Immer noch lächelnd erhebe ich mich und schultere meinen Rucksack und schlendere die Treppe hinab zum Auto. Ja, die Joggingschuhe sollen auch weiterhin ein wichtiger Bestandteil in meinem Leben bleiben. Zwar beanspruche ich sie zurzeit nicht über solch lange Laufdistanzen, jedoch mehrfach die Woche. Ich kann jeden blinden oder sehgeschädigten Menschen nur ermutigen, dem Joggen treu zu bleiben oder es zu entdecken. Laufen bereitet Freude. Laufen dient der Gesundheit. Laufen schafft einmalige Höhepunkte. Laufen gibt einen Teil Selbstbestimmung und Freiheit zurück und nebenbei lernt man Menschen kennen.

Versuch es auch!  Melde Dich in der Laufschule für Blinde und Sehbehinderte an.