Sehbehinderung

Rund 70 Prozent aller Informationen der Umwelt nehmen Sehende über die Augen auf. Sehbehinderte können dieses Sinnesorgan nur noch teilweise oder gar nicht mehr nutzen. Dieser Verlust wird durch andere Sinnesorgane wie Ohren, Nase, Tastsinn und Mund zum Teil kompensiert.

Eine Sehschädigung oder Sehbehinderung besteht, wenn die visuelle Wahrnehmung in irgendeiner Form, unabhängig von der Ausprägung und Stärke, beeinträchtigt ist. Bei blinden Menschen beträgt die Sehschärfe 0,02 Prozent oder weniger (bei gesunden 100 Prozent). Wer weder hell noch dunkel unter- scheiden kann, gilt als absolut blind.

Sehbehinderungen treten im Allgemeinen nicht in Reinform auf; oft handelt es sich um eine Kombination mehrerer Schwächen. Die Besonderheit der Mischform wird denn auch für den Betroffenen und seinen Begleiter im Laufsport zu einer grossen Herausforderung. Jede Sehbehinderung bringt eine andere Wahrnehmung der Umgebung mit sich. Daher muss sich die Begleitperson so detailliert wie möglich über die Sehbehinderung der zu begleitenden Person informieren, bevor mit einem Lauftraining begonnen wird. Am einfachsten und hilfreichsten geschieht dies durch ein Gespräch mit der betroffenen Person selbst.

Der Zeitpunkt des Eintretens der Sehbehinderung ist für die sensormotorische Entwicklung und das Sicherheitsgefühl nicht unwesentlich. Der Späterblindete kann auf Erfahrungen und Verhaltensweisen zurückgreifen, die er vor seiner

Erblindung gemacht hat. Diese Möglichkeit fehlt dem Geburts- oder Früherblindeten. So halten seit ihrer Kindheit erblindete Menschen das Band beim Laufen meist etwas lockerer als Menschen, die erst in späteren Abschnitten ihres Lebens eine Sehbehinderung erlitten. Allgemein fehlt stark Sehbehinderten der optische Reiz als «natürlicher» Auslöser für Bewegungen. Eine systematische Reizgebung erfolgt daher über die meist intakten Kanäle Hören, Tasten, Riechen und das körperliche Lagegefühl (kinästhetischer Sinn).

Entscheidender als die Sehschärfe an sich ist für das Laufen die Möglichkeit, den Sehrest einzusetzen. Das periphere Sehen ist dabei wichtiger als das zentrale. Personen mit einem Röhrenblick müssen daher beim Laufen oft wie blinde Personen geführt werden. Sehschwache Läufer mit genügend Restlicht können ihrem Begleiter auf Sichtweite folgen.

Nachfolgend sind häufige Arten der Sehbehinderung kurz beschrieben.

 

 

  • Glaukom Das Glaukom, auch Grüner Star genannt, ist eine der häufigsten Erkrankungen des Sehnervs. Durch die Erhöhung des Augeninnendrucks wird der Sehnerv geschädigt. Das Gesichtsfeld wird im Verlauf der Krankheit immer mehr ein- geschränkt. ln einem Spätstadium kann dies zu einem so genannten «Röhren— blick» führen. Als Folge entstehen charakteristische Gesichtsfeldausfälle und im Extremfall eine Erblindung des Auges. Typischerweise beginnen die Ausfälle im Randbereich des Gesichtsfeldes, sodass die Einschränkungen im Sehen anfänglich gar nicht bemerkt werden. Nach und nach wird das Gesichtsfeld immer weiter nach innen eingeschränkt.
Wahrnehmung eines SehendenWahrnehmung eines Sehenden

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  • Makula-Degeneration Als Makula wird das Zentrum der Netzhaut bezeichnet, welches das scharfe Sehen ermöglicht. Bei manchen Menschen kommt es im Alter aus unklaren Gründen zu Abnutzungserscheinungen (Degeneration) in diesem Bereich. Eine Makula-Degeneration (MD) ist also eine fortschreitende Verschlechterung der Sehschärfe. In einer Spätphase ist die Sehfähigkeit bei Nacht und in der Dämmerung verhältnismässig gut erhalten, während sich das Farbsehvermögen und die Sehschärfe verschlechtern. Trotz Fixieren eines Gegenstandes ist für den Betroffenen das deutliche Erkennen nicht mehr möglich. Er kann eine Uhr sehen, aber die Uhrzeit nicht erkennen, oder einen Gesprächspartner sehen, nicht aber seine Gesichtszüge erkennen.
?Mögliche Wahrnehmung mit Glaukom

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  • Netzhautablösung Hier handelt es sich um eine Krankheit, bei welcher sich Teile der Netzhaut ablösen. Das bewirkt eine fortschreitende Einschränkung des Gesichtsfeldes, als ob sich ein Vorhang über das Auge schieben würde. Symptome können plötzliches Auftreten von Lichtblitzen, schwarzen Flecken oder spinnennetzartigen Strukturen sein.
?Mögliche Wahrnehmung mit Makula-Degeneration

 

 

 

 

Sehbehinderung und Diabetes im Laufsport

Besonders einschränkend ist die Kombination von Diabetes und Sehbehinderung. Das Spritzen von Insulin. die Betätigung einer Insulinpumpe, das Messen des Blutzuckerspiegels stellen – selbst bei modernen sprechenden Geräten – eine grosse Beeinträchtigung im Alltag dar.

Diabetes ist ausführlich in der Fachliteratur beschrieben. Ich beschränke mich hier auf die Auswirkungen der Krankheit auf den Ausdauersport, basierend auf den Erfahrungen eines unserer Läufer.

Da die Produktion von Insulin bei Diabetikern nicht funktioniert, muss es künstlich zugeführt werden. Selbst der «erfahrene» Diabetiker kann seine lnsullinzufuhr nicht immer optimal dosieren. Beim Joggen verbrennt der Körper zusätzlich Kohlenhydrate, wodurch eine schnelle Unterzuckerung eintreten kann. Kalte Aussentemperaturen bewirken, dass der Körper mehr heizt und dadurch noch mehr Kohlenhydrate verbraucht. Erkältung, Infektionen usw. beeinflussen die richtige Dosis zusätzlich, weil der Energiebedarf des Körpers variiert.

0b Spritze oder automatische Pumpe, der Diabetiker muss immer auf seinen Körper hören. Er weiss und spürt am besten, was sein Organismus braucht. Deswegen stellt er seinen Blutzuckerspiegel kurzfristig auf die zu erwartende Anstrengung beim Training ein.

Da Diabetes keine sichtbaren Symptome aufweist, ist es wichtig, dass der Läufer seinen Begleiter vor Beginn des Trainings informiert. Es kann verheerend sein, wenn eine Unterzuckerung zum Kollaps führt und der Begleiter gar nicht weiss, worum es geht. Begleiter sollen deshalb immer Trauben- zucker mitführen und dem Diabetiker ausschliesslich auf dessen Wunsch hin abgeben.

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Begleiter müssen auch wissen, dass nach oft langjähriger Erkrankung die Durchblutung und damit das Empfinden v.a. der Füsse beeinträchtigt sind. Deshalb können kleinere Verletzungen unentdeckt bleiben und sich zu schwer- wiegenden Infektionen entwickeln. Aus diesem Grund sind Laufeinheiten barfuss nicht empfehlenswert.